· comogastro Redaktion · Allergene & Kennzeichnung · 8 Min. Lesezeit
Zusatzstoffe auf der Speisekarte richtig kennzeichnen
Praxis-Anleitung für Gastronomiebetriebe – so kennzeichnen Sie Zusatzstoffe auf Ihrer Speisekarte korrekt, verständlich und dauerhaft aktuell.

Allergene sind das eine, Zusatzstoffe das andere – und beide werden in der Gastronomie unterschiedlich gekennzeichnet. Während Allergene häufig mit Buchstaben ausgewiesen werden, laufen Zusatzstoffe meist über nummerierte Fußnoten oder Klartext-Hinweise auf der Karte. Genau diese Trennung sorgt im Alltag oft für Unsicherheit: Was gehört wohin, welche Angabe steht wo, und wie bleibt am Ende alles aktuell?
Dieser Artikel zeigt praxisnah, wie Sie Zusatzstoffe auf Ihrer Speisekarte korrekt und für Gäste nachvollziehbar kennzeichnen, aktuell halten und im Betrieb organisieren. Es geht hier ausdrücklich um das Wie – nicht um eine vollständige Auflistung aller Zusatzstoffe. Wie Sie parallel dazu Allergene auf der Speisekarte richtig ausweisen, lesen Sie im begleitenden Artikel. Einen Überblick über die kennzeichnungspflichtigen Allergene selbst gibt der Beitrag zu den 14 Hauptallergenen.
Warum Zusatzstoffe gekennzeichnet werden müssen
Bestimmte Zusatzstoffe – etwa Farbstoffe, Konservierungsstoffe oder Geschmacksverstärker – müssen in der Gastronomie kenntlich gemacht werden. Für Gäste ist das eine wichtige Information: Manche möchten bewusst auf bestimmte Zusätze verzichten, andere reagieren empfindlich darauf oder achten aus gesundheitlichen Gründen darauf.
Für den Betrieb bedeutet das: Die Angaben müssen vorhanden, korrekt und für Gäste zugänglich sein – ganz ähnlich wie bei der Allergenkennzeichnung, aber mit einem eigenen System. Wer Allergene und Zusatzstoffe sauber pflegt, schafft Vertrauen und vermeidet Rückfragen im Service.
Hinzu kommt ein praktischer Aspekt: Immer mehr Gäste achten bewusst darauf, was in ihrem Essen steckt. Eine transparente Kennzeichnung ist damit nicht nur eine Pflicht, sondern auch ein Signal von Offenheit – und ein kleiner Wettbewerbsvorteil gegenüber Betrieben, die hier nachlässig sind.
Der wichtigste Unterschied zur Allergenkennzeichnung: Zusatzstoffe und Allergene dürfen nicht vermischt werden. Sie folgen unterschiedlichen Logiken und sollten auf der Karte klar voneinander getrennt dargestellt werden – sonst wird die Karte für Gäste schnell unübersichtlich.
Welche Möglichkeiten der Kennzeichnung gibt es?
Für Zusatzstoffe haben sich mehrere Darstellungsformen etabliert. Welche passt, hängt von Umfang der Karte, Betriebsart und Änderungshäufigkeit ab.
| Variante | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Nummerierte Fußnoten | kompakt, gängig, platzsparend | Legende zwingend nötig |
| Klartext-Hinweise | sofort verständlich, keine Legende nötig | verlängert die Karte deutlich |
| Sternchen- oder Symbolsystem | flexibel einsetzbar | nur mit erklärter Legende verständlich |
| Digitale Speisekarte | zentral pflegbar, immer aktuell | Smartphone der Gäste nötig |
| Separate Zusatzstoffkarte | Hauptkarte bleibt übersichtlich | zusätzliche Pflege, muss aktiv verfügbar sein |
Für die Wahl gibt es keine allgemeingültige Antwort. Kleine Karten mit wenigen Zusätzen fahren mit Klartext-Hinweisen gut, weil keine Legende gepflegt werden muss. Umfangreiche Karten profitieren von kompakten Fußnoten. Wechselt das Angebot häufig, spielt eine digitale Lösung ihre Stärke aus, weil Änderungen nicht bei jeder Ausgabe erneut übertragen werden müssen.
In der Praxis bewährt sich oft eine Kombination: nummerierte Fußnoten auf der gedruckten Karte plus eine digitale Speisekarte, über die Gäste die Angaben bequem per QR-Code einsehen. Entscheidend ist auch hier nicht die Methode, sondern die konsequente und einheitliche Umsetzung.
So kennzeichnen Sie Zusatzstoffe – Schritt für Schritt
Produkte prüfen
Zutaten und zugekaufte Fertigprodukte auf enthaltene Zusatzstoffe prüfen.
Zusatzstoffe zuordnen
Jedem Gericht die enthaltenen Zusatzstoffe zuweisen.
Form festlegen
Eine Kennzeichnungsform wählen und überall gleich verwenden.
Legende einbinden
Erläuterung der Kürzel gut sichtbar auf der Karte platzieren.
Aktuell halten
Bei Rezeptur-, Lieferanten- oder Produktwechsel sofort anpassen.
Schritt 1: Produkte und Fertigprodukte prüfen
Zusatzstoffe stecken oft nicht in den frischen Grundzutaten, sondern in zugekauften Komponenten: Fertigsaucen, Getränke, Wurstwaren, Backmischungen. Prüfen Sie die Angaben der Hersteller genau – hier verstecken sich die meisten kennzeichnungspflichtigen Zusätze. Am zuverlässigsten gelingt das über die Produktdatenblätter oder Spezifikationen, die Lieferanten auf Anfrage bereitstellen.
Schritt 2: Zusatzstoffe je Gericht zuordnen
Fassen Sie pro Gericht zusammen, welche Zusatzstoffe enthalten sind. So entsteht für jedes Gericht eine klare Liste, die sich anschließend auf der Karte abbilden lässt. Denken Sie dabei an alle Komponenten eines Tellers – auch die Sauce, die Beilage oder das Getränk, das standardmäßig dazu serviert wird.
Schritt 3: Kennzeichnungsform einheitlich festlegen
Entscheiden Sie sich für eine Darstellung – zum Beispiel nummerierte Fußnoten – und nutzen Sie sie auf der gesamten Karte gleich. Vermeiden Sie es, Zusatzstoffe und Allergene im selben Kürzelsystem zu vermischen. Ein bewährter Weg ist, Allergene mit Buchstaben und Zusatzstoffe mit Zahlen darzustellen, damit beide Systeme klar unterscheidbar bleiben.
Schritt 4: Legende gut sichtbar einbinden
Eine Zahl ohne Erklärung hilft niemandem. Die Legende, die erklärt, wofür jede Nummer oder jedes Symbol steht, gehört gut sichtbar auf dieselbe Karte – nicht nur auf Nachfrage. Achten Sie darauf, dass die Legende vollständig ist und wirklich jede verwendete Kennzeichnung abdeckt.
Schritt 5: Änderungen laufend pflegen
Wechseln Lieferanten, Rezepturen oder Produkte, ändern sich häufig auch die Zusatzstoffe. Ein fester Prüfzeitpunkt stellt sicher, dass die Kennzeichnung mit der tatsächlichen Zubereitung übereinstimmt. Besonders bei saisonalen Karten oder Tagesangeboten lohnt es sich, die Prüfung fest in den Ablauf einzuplanen.
Beispiele: Typische Gerichte und ihre Zusatzstoffe
Die folgende Übersicht zeigt, wo Zusatzstoffe im Gastronomiealltag typischerweise auftauchen. Die konkreten Angaben hängen immer von Produkt und Rezeptur ab – die Beispiele dienen nur zur Orientierung.
| Gericht / Produkt | Typische Zusatzstoffe |
|---|---|
| Cola und Limonaden | mit Farbstoff, koffeinhaltig, mit Süßungsmittel (zuckerfreie Varianten) |
| Pommes und Kartoffelprodukte | mit Antioxidationsmittel, mit Konservierungsstoff |
| Wurst und Aufschnitt | mit Konservierungsstoff, mit Phosphat |
| Schwarze Oliven | geschwärzt |
| Trockenfrüchte | geschwefelt |
| Fertigsaucen und Brühen | mit Geschmacksverstärker, mit Konservierungsstoff |
Hinweis: Besonders Getränke werden bei der Zusatzstoff-Kennzeichnung oft vergessen. Softdrinks, geschwefelter Wein oder chininhaltige Getränke wie Tonic Water enthalten häufig kennzeichnungspflichtige Zusätze.
Zusatzstoffe im Betrieb organisieren
Eine einmalige Kennzeichnung reicht nicht – Zusatzstoffe müssen dauerhaft mitgepflegt werden. Damit das im Alltag zuverlässig funktioniert, hilft eine klare Organisation im Betrieb.
Verantwortlichkeit festlegen. Eine Person sollte dafür zuständig sein, die Kennzeichnung zu pflegen und bei Änderungen zu aktualisieren. Wenn sich niemand konkret verantwortlich fühlt, veralten die Angaben schleichend.
Lieferantenangaben strukturiert dokumentieren. Zusatzstoffe stehen auf den Produktdatenblättern der Lieferanten. Bewahren Sie diese Angaben geordnet auf – bei einem Lieferantenwechsel lässt sich so schnell prüfen, was sich geändert hat und welche Gerichte betroffen sind.
Feste Prüfzeitpunkte einführen. Legen Sie fest, wann die Kennzeichnung überprüft wird – etwa bei jedem Kartenwechsel oder in regelmäßigen Abständen. Das verhindert, dass veraltete Angaben unbemerkt bestehen bleiben.
Zentral pflegen statt in Einzeldokumenten. Werden Zusatzstoffe an einer zentralen Stelle gepflegt statt in mehreren Dateien und gedruckten Karten, bleiben alle Ausgaben konsistent. Eine digitale Speisekarte übernimmt Änderungen automatisch für alle Gäste und reduziert den Abstimmungsaufwand deutlich.
Selbst gemacht oder zugekauft?
Ob ein Gericht selbst zubereitet oder zugekauft wird, macht bei der Kennzeichnung einen praktischen Unterschied.
Bei zugekauften Produkten verlassen Sie sich auf die Angaben des Herstellers. Fertigsaucen, Getränke, Wurstwaren oder Desserts bringen ihre Zusatzstoffe gewissermaßen mit – Sie müssen die Angaben aus den Produktdatenblättern übernehmen und sollten sich nicht auf den ersten Eindruck verlassen.
Bei selbst zubereiteten Speisen haben Sie die Kontrolle darüber, was hineinkommt. Hier lohnt es sich, bewusst zu entscheiden: Wer auf bestimmte Zusatzstoffe verzichtet, kann das auf der Karte sogar positiv hervorheben. Wichtig ist nur, dass einzelne zugekaufte Komponenten – etwa eine fertige Basis-Sauce oder ein Convenience-Produkt – trotzdem geprüft werden.
In gemischten Gerichten kommt beides zusammen. Die sicherste Grundregel: Jede Komponente einzeln betrachten und im Zweifel beim Lieferanten nachfragen. So entsteht ein vollständiges Bild, das auch bei Rückfragen von Gästen Bestand hat.
Typische Fehler
Fehler 1: Zusatzstoffe und Allergene vermischen
Allergene und Zusatzstoffe folgen unterschiedlichen Systemen – Buchstaben hier, Zahlen oder Klartext dort. Werden sie in einem Kürzelsystem zusammengeworfen, wird die Karte für Gäste unverständlich.
Fehler 2: Fertigprodukte nicht prüfen
Zusatzstoffe stecken häufig in zugekauften Komponenten. Wer nur die frischen Hauptzutaten betrachtet, übersieht viele kennzeichnungspflichtige Zusätze.
Fehler 3: Legende fehlt oder ist unvollständig
Nummerierte Fußnoten ohne vollständige, sichtbare Legende sind wertlos. Jede verwendete Nummer muss erklärt sein.
Fehler 4: Getränke ausklammern
Die Kennzeichnungspflicht endet nicht bei den Speisen. Getränkekarten werden bei Zusatzstoffen besonders oft übersehen.
Fehler 5: Kennzeichnung nach Änderungen nicht anpassen
Ein Lieferanten- oder Rezepturwechsel bleibt oft unbemerkt, wenn die Kennzeichnung nicht systematisch überprüft wird. Die Angabe auf der Karte stimmt dann nicht mehr mit dem tatsächlichen Produkt überein.
Checkliste: Zusatzstoffe auf der Karte ausweisen
- Zutaten und zugekaufte Fertigprodukte auf Zusatzstoffe geprüft
- Zusatzstoffe je Gericht vollständig zugeordnet
- Eine einheitliche Kennzeichnungsform gewählt
- Zusatzstoffe klar von der Allergenkennzeichnung getrennt
- Vollständige Legende gut sichtbar auf der Karte
- Getränkekarte ebenfalls berücksichtigt
- Angaben bei jeder Rezeptur- oder Lieferantenänderung aktualisiert
Fazit
Die Kennzeichnung von Zusatzstoffen ist kein großer Aufwand, wenn sie systematisch angegangen wird: Produkte prüfen, Zusatzstoffe je Gericht zuordnen, eine einheitliche Form mit sichtbarer Legende wählen und die Angaben aktuell halten. Wichtig ist die klare Trennung von der Allergenkennzeichnung, damit die Karte für Gäste verständlich bleibt.
Wie bei den Allergenen liegt die eigentliche Herausforderung nicht in der ersten Erfassung, sondern in der laufenden Pflege: Sobald sich Produkte oder Rezepturen ändern, muss die Kennzeichnung mitziehen. Wer dafür feste Zuständigkeiten und Prüfzeitpunkte schafft, ist auf der sicheren Seite. Genau hier hilft eine zentral pflegbare Lösung, die Änderungen nur einmal verlangt und sie sofort überall sichtbar macht.
Zusatzstoffe einfacher verwalten
Mit einer digital gepflegten Speisekarte bleiben Zusatzstoffe auch bei Preis-, Lieferanten- oder Rezepturänderungen jederzeit aktuell.
Häufige Fragen
Wie kennzeichne ich Zusatzstoffe auf der Speisekarte? Weisen Sie die enthaltenen Zusatzstoffe je Gericht aus – entweder über nummerierte Fußnoten mit sichtbarer Legende oder als Klartext-Hinweis. Wichtig ist eine einheitliche Form auf der gesamten Karte.
Muss ich Zusatzstoffe mit Zahlen oder Klartext angeben? Beides ist üblich. Nummerierte Fußnoten sind kompakt, benötigen aber eine erklärende Legende. Klartext-Hinweise sind sofort verständlich, verlängern die Karte jedoch. Entscheidend ist, dass die Angaben für Gäste nachvollziehbar sind.
Worin unterscheidet sich die Kennzeichnung von Zusatzstoffen und Allergenen? Allergene und Zusatzstoffe werden getrennt gekennzeichnet und folgen unterschiedlichen Systemen. Allergene laufen häufig über Buchstaben, Zusatzstoffe über Zahlen oder Klartext. Beide sollten auf der Karte klar voneinander getrennt dargestellt werden.
Wo muss die Zusatzstoff-Legende stehen? Die Legende gehört gut sichtbar dorthin, wo Gäste die Speisen auswählen – also auf oder direkt bei der Karte. Sie sollte nicht erst auf Nachfrage herausgegeben werden.
Muss ich Zusatzstoffe auch bei Getränken angeben? Ja. Getränke werden besonders oft übersehen, enthalten aber häufig kennzeichnungspflichtige Zusätze wie Farbstoffe, Süßungsmittel oder Koffein. Die Getränkekarte gehört deshalb genauso geprüft wie die Speisekarte.
Wie kennzeichne ich Zusatzstoffe in zugekauften Fertigprodukten? Prüfen Sie die Herstellerangaben der zugekauften Produkte und übernehmen Sie die relevanten Zusatzstoffe in Ihre Kennzeichnung. Gerade in Fertigsaucen, Getränken und Wurstwaren stecken viele kennzeichnungspflichtige Zusätze.
Wie halte ich die Zusatzstoff-Kennzeichnung aktuell? Am einfachsten mit einem festen Prüfprozess und einer Lösung, bei der Zusatzstoffe direkt jedem Gericht zugeordnet sind. Ändert sich ein Produkt, wird nur der betroffene Eintrag angepasst – ohne die ganze Karte neu zu erstellen.
Wie kennzeichne ich Zusatzstoffe auf einer digitalen Speisekarte? Auf einer digitalen Karte lassen sich Zusatzstoffe direkt jedem Gericht zuordnen und werden automatisch angezeigt. Änderungen müssen nur einmal gepflegt werden und sind sofort für alle Gäste sichtbar.


